1922 - 1980
1920er Jahre
Obernau 1922: Clemens Fischer, Eugen Reichert, Josef Schweinbenz, Josef Reichert, Johannes Schweinbenz, Josef Kienzle und Richard Schweinbenz gründen den Musikverein Obernau. Vier Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges und unmittelbar vor der ersten Inflation im Jahre 1922, liegt die Geburtsstunde des Musikverein Obernau. Sieben musikbegeisterte junge Männer im Alter von 14 bis 20 Jahren haben sich damals zusammen gefunden und den Musikverein Obernau ins Leben gerufen. In dieser inflationsreichen Zeit war die Gründung nur mit Hilfe der Eltern und musikliebenden Förderern möglich. Einiges Stück Vieh musste verkauft werden, um geeignete Instrumente zu beschaffen.
Ein Mann war der Geburtshelfer der, die, ihm mit aller Begeisterung für das schöne Ideal folgenden, Musiker über jede Schwierigkeit hinwegzuführen verstand. Moritz Bengel aus Rottenburg, der Vater des späteren Bundesdirigenten Karl Bengel. Seine strenge Schule trug bald die erwarteten Früchte. Und so kam es, dass sich die Zahl der Mitglieder schnell auf 16 erhöhte.
Mit Erfolg beteiligte sich die Kapelle, nun von dem damals erst vierzehnjährigen Karl Bengel dirigiert, an Wertungsspielen in Kirchheim und Böblingen. Ein 1 A und ein 1 B Preis waren der Lohn. Am Pfingstmontag, den 28. Mai 1928, nahm der Musikverein mit 14 aktiven Musikern am Wertungsspiel in Göttelfingen teil. Unter 21 Musikkapellen hinterließen die Musiker mit dem Stück "Milauesse" einen sehr guten Eindruck. Der Lohn waren 78 Punkte und somit einen Preis 1C in der Unterstufe.
Nach Karl Bengel übernahm Clemens Fischer, bis zur kriegsbedingten Auflösung des Vereines, den Dirigentenstab. Die Dirigenten selbst wurden mit dem bezahlt, was Haus und Hof hergaben: Kartoffeln, Obst, Gemüse usw.
1927 fand das Gründungsfest des Musikverein Obernau statt. Durch dieses Musikfest rührte sich der Gedanke für die Musik im kleinen Dorf Obernau wesentlich mehr als bisher.
Die nie versagende Freude und Liebe zur Musik befähigte die kleine Schar von Idealisten dazu, die ständigen finanziellen Sorgen zu überwinden. Durch Spiel bei vielen Tanzveranstaltungen in Schwalldorf und in Isenburg im „Grünen Baum“, sowie durch Unterhaltung bei Hochzeiten, konnte immer wieder soviel verdient werden, damit Instrumente beschafft und instandgehalten werden konnten.
Auch gemeindlichen und kirchlichen Zwecken stellte sich die Kapelle zur Verfügung, um das Kulturgut "Musik" im Dorfleben zu fördern.
1930er & 1940er Jahre
Die innen- und außenpolitischen Verhältnisse sollten jedoch auch beim Musikverein Obernau ihren Niederschlag finden. Durch Arbeitsdienst- und Kriegsdienstpflicht einiger Mitglieder, löste sich der Verein 1938 zwangsläufig auf. Der Krieg sowie die Nachkriegszeit rissen spürbare Lücken in die Reihen der aktiven Spieler. So weilte nach dem Krieg das ehemalige Es-Horn Duett Franz Schweinbenz und Alfons Kienzle nicht mehr unter den Musikern.
Bereits 1947 bemühten sich bewährte Musiker, um den damaligen Vorstand Josef Schweinbenz, wieder um eine aktionsfähige Kapelle. In einer Zeit in der Brotkarten, Fleischkarten, Textilkarten das Leben bestimmte, war dies wahrlich kein leichtes Unterfangen. Am 18.02.1948 wurde die Wiedergründung des Musikverein Obernau und somit der Beitritt zum Volksmusikverband Württemberg - Hohenzollern vollzogen.
In einer Vollversammlung der wieder zusammengetretenen Musikkameradschaft, wurden folgende Beschlüsse angenommen und durch die Unterschrift aller Angehörigen bestätigt:
- Jeder neu hinzugekommene Angehörige leistet einen einmaligen Beitrag von 35 Reichsmark, der je nach Leistungsfähigkeit innerhalb von 2 Monaten an den Kassenwart zu entrichten ist.
- Jeder Angehörige der Kameradschaft leistet zur Deckung laufender Ausgaben einen monatlichen Beitrag von einer Reichsmark, der jeweils in der ersten Probe des Monats ohne Aufforderung an den Kassenwart zu leisten ist.
- Als Kassenwart wurde der Kaufmann Alois Hermann einstimmig gewählt der ab sofort die Geschäfte übernimmt.
- Jeder Angehörige verpflichtet sich, die Interessen der Kameradschaft zu wahren und Ihre Entwicklung und Leistungsfähigkeit nach Kräften zu fördern.
- Es ist Ehrensache jedes einzelnen Angehörigen, seine Mitgliedschaft der Kameradschaft zu erhalten und nicht ohne dringenden Grund seine aktive Mitarbeit niederzulegen.
Kurz nach der Währungsreform, in der jeder Bürger 40 DM erhielt, hatte der Musikverein Obernau beim Festumzug in Bühl seinen ersten offiziellen Auftritt. Mit einem LKW der Firma Löwensprudel fuhr Buchdrucker Josef Schweinbenz seine Musikkameraden in den nächsten Jahren zu den Festauftritten. Auf Sprudelkisten sitzend und teilweise stehend war dies bei den Rückfahrten oft eine gefährliche Angelegenheit. Nicht nur Hubert Hebe verbog es das Es-Horn, sondern auch andere Blechschäden waren an der Tagesordnung. Vermutlich nahmen die Musiker Ihren damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss beim Wort und beteten an solchen Tagen fleißig. Getreu dem Motto: "Bier saufen ist Sünde, Bier trinken ist beten. Kommt lasset uns beten." Um den herrlichen Gerstensaft weiterhin auf den Festern genießen zu können, schloss der Musikverein daraufhin eine Instrumentenversicherung ab.
Das Geld für Neubeschaffungen verdiente der Musikverein mit Theateraufführungen. Mehrere Auftritte fanden in Obernau in der „Krone“, sowie in Pfronstetten in der „Rose“ statt. Eine weitere Einnahmequelle war der Eintritt eines jeden Aktiven in den Musikverein. Nach der Währungsreform musste man 25 DM berappen, wollte man im Musikverein Obernau aktiv mitwirken. Hubert Hebe war der letzte Musiker, der diese Eintrittsgebühr zahlen musste. Bei einem Wochenlohn von 12,50 DM war dies wahrlich kein Zuckerschlecken.
1950er & 1960er Jahre
Ein Höhepunkt in dieser Zeit, war mit Sicherheit das Jubiläumsfest 1952, für das eigens Uniformen angefertigt wurden.
Einiges an Stoff lieferte damals der Textilhändler Eugen Teufel. Die Uniformen selbst mussten jedoch von Hand genäht werden. Mit einem großen Festbankett, an dem die Musikkapellen Entringen und Seebronn, sowie der Gesangverein Bad Niedernau und der Kirchenchor Obernau mitwirkten, eröffnete der Musikverein Obernau im Schlossgarten sein 30-jähriges Jubiläum. Beim Festgottesdienst am Sonntagmorgen legte Pfarrer Kupferschmied seiner Festpredigt folgende Worte zugrunde:
"Gott hat Dein Leben komponiert - spiele Du die Melodie deines Leben klangrein und schön".
Bei strahlendem Sonnenschein sah man beim Festumzug, angeführt von der Stadtkapelle Rottenburg unter Musikdirektor Karl Bengel, 20 Musikkapellen, 4 Gesangvereine, zwei Wagen mit Ehrengästen und einen Wagen mit Festdamen. Allerdings waren diese Jahre auch Jahre der Konflikte und Spannungen.
Beim Jubiläumsfest, bei dem das Rottenburger Hirschbräubier und die Rote Wurst fünfzig Pfennige kostete, erwirtschaftete der Musikverein rund 3.200 DM. Für damalige Zeiten sehr viel Geld. Kassier Oskar Schweinbenz musste sich einige Beleidigungen gefallen lassen, da er nicht gewillt war, einigen Musikern Geld für private Dinge zu borgen. "Nicht einmal eine Flasche Wein, die noch vom Fest übrig war, rückte der Oskar aus seinem Keller", so ein damaliger Musikant. Die Streitereien gipfelten mit dem legendären Plakatanschlag am Dorfbrunnen. "Freitag Probe ohne Küferle". Somit wurde Oskar Schweinbenz und die Seinigen aufgefordert, nicht an der Musikprobe teilzunehmen. Vereinsaustritte und Streitereien waren die Folge.
"Ein Abend, an dem sich alle Anwesenden völlig einig sind, ist ein verlorener Abend".
Diese Aussage von Albert Einstein nahmen etliche Musiker bei einer Generalversammlung im Gasthaus „Rössle“ wohl wörtlich. So konnte sich ein Musikkamerad nur durch einen beherzten Sprung aus dem Fenster des 1. Stock, in Sicherheit bringen.
In den 50-iger und auch in den 60-iger Jahren, gab es nicht nur innerhalb des Musikverein, was auch den häufigen Wechsel des ersten Vorstandes erklärt, sondern auch zwischen den verschiedenen Vereinen, Querelen. So besaß, obwohl das Geld damals ziemlich knapp war, der Musikverein und der Gesangverein jeweils eine eigene Bühne für Theaterauftritte.
Musikalisch hingegen ging es nach dem Krieg aufwärts. Die ersten Proben wurden in der Wohnung von Josef Schweinbenz abgehalten. Später stellte die Gemeinde das Schullokal zur Verfügung.
Den Dirigentenstab führte bis 1950 Richard Schweinbenz. In dieser Zeit stieß der ehemalige Militärmusiker Herbert Schmid als Waldhornspieler zur Kapelle. Im März 1950 übernahm dieser den Dirigentenposten, sowie die Ausbildung im Musikverein Obernau. In der Küche des Dirigenten Herbert Schmid genossen die Zöglinge im Vergleich zu heute eine relativ einfache Ausbildung. Wie motiviert die aktiven Musiker jedoch waren kann man daran erkennen, dass im selbigen Jahr 107 Musikproben abgehalten wurden.
Auch aus diesem Grunde stellten sich rasch Erfolge ein. In zahlreichen Wertungsspielen wie z.B. in Weitingen oder Dußlingen, erreichte der Musikverein Obernau Höchstnoten in der Oberstufe. Die Krönung der unermüdlichen Arbeit des Dirigenten und der Musiker, war die Teilnahme am Wertungspiel in der Oberstufe am Bundesmusikfest 1958 in Ravensburg. Der Musikverein zeichnete sich mit einer hervorragenden Leistung unter stärkster Konkurrenz, meist Stadtkapellen sowie ausländische Gastvereine, aus. Vor einem international besetztem Wertungsgericht spielte die Kapelle unter der Stabführung ihres Dirigenten Herbert Schmid, die Suite "Zomerland" von Piet v. Meyer und erhielt für ihre Darbietung einen hervorragenden ersten Rang.
Nachdem Alois Hermann die Kapelle übergangsweise dirigierte, übernahm Willi Vohrer aus Reutlingen 1960 den Dirigentenstab. Das Kreismusikfest 1963 unter Vorstand und späteren Bezirksvorsitzenden Moritz Geiger, war ein voller Erfolg.
Unter Willi Vohrer eröffnete die Jubelkapelle vor zahlreichen Ehrengästen mit den Musikstücken "Feierliches Bläserspiel" und "Le Retour au beau Vallon" das Festbankett. Den weiteren Reigen für das musikalische Programm eröffnete unsere Patenkapelle, der Musikverein Kiebingen. Zum Schluss spielte die Bauernkapelle Dettenhausen mit flotten Weisen zum Tanz auf. Ein Festumzug von 16 Vereinen, durch das im Festschmuck prangende Dorf, wurde mit viel Beifall bedacht. Der Massenchor, unter der Leitung des damaligen Bezirksdirigenten Karl Bengel, ließen die "Sonata dolente" von Gruber, sowie die "Sarabande für Bläser" von Kade machtvoll und für die Volksmusik demonstrierend klingen. Mit einem Kinderfestzug beendete der Musikverein sein vierzigjähriges Jubiläum.
Im gleichen Jahr schaffte sich der Musikverein neue Uniformen an. Bei der Firma Gustav Digel wurden zuerst einmal 17 Uniformen für je 167,50 DM gekauft.
Zwei weitere Höhepunkte sollten in diesem Jahr noch folgen. Am 22. September 1963 nahm der Musikverein am Umzug beim Cannstatter Volksfest, verbunden mit dem landwirtschaftlichen Hauptfest, teil. Da der Verein für jeden Musiker 15 DM vom Veranstalter erhielt und an jeden Musiker lediglich 5 DM auszahlte, führte dieser Auftritt allerdings zu zahlreichen und unschönen Diskussionen.
Der zweite Höhepunkt war das traditionelle Fußballspiel zwischen dem Musikverein und Sportverein. In einer Klassepartie setzte sich der Musikverein mit 2:1 durch. Da der Musikverein traditionell sehr gute Fußballer in seinen Reihen hatte, konnten solche Erfolge in der Zukunft wiederholt werden.
Der Höhepunkt in diesem Jahrzehnt fand allerdings ein Jahr später statt. Es war das Freundschaftstreffen namhafter Kapellen, das im Jahre 1964 in Obernau stattfand. Die Stadtkapelle Bad Waldsee, bekannt als die Spitzenkapelle der Oberstufe des oberschwäbischen Raumes wurde erwartet. In einem Pressebericht wurde das musikalische Können dieses Orchesters folgendermaßen beschrieben: "Unter Professor Liebermann bietet die Kapelle ein Programm ganz besonderer Art.: Werke neuester Tonschöpfer, wiedergegeben von einem Klangkörper, wie ihn eine Dorfkapelle niemals auf die Beine stellen kann." Die Beziehungen zur Stadtkapelle kamen über einen gebürtigen Obernauer, Konstantin Hebe, damals 2. Vorsitzender in Bad Waldsee, zustande.
Der eigentliche Anlass für dieses Freundschaftstreffen war aber der Besuch des Musikverein Melomania Obernau am Main bei Aschaffenburg. Die Vorstände Moritz Geiger Obernau am Neckar und Johannes Fischer, Obernau am Main, legten den Grundstein für eine tiefe, freundschaftliche Beziehung, die heute noch durch rege gegenseitige Aktivitäten gepflegt wird.
Beide Vereine, der Musikverein Melomania Obernau am Main und die Stadtkapelle Bad Waldsee, trafen am Samstagabend in unserem Dorf ein. Dank des Entgegenkommens der hiesigen Einwohnerschaft, konnten alle Gäste privat untergebracht werden. Lediglich zehn Musiker wurden in einem Massenquartier bei der Firma Löwensprudel einquartiert.
Der Höhepunkt, in dem mit Wappen von Obernau a. N. , Obernau a. M. sowie Bad Waldsee verziertem Festzelt, war der gemeinsame Auftritt aller drei Vereine. Unter der Stabführung von Ehrengast Baron von Rassler spielten die Kapellen den vom Publikum viel umjubelten Alte-Kameraden-Marsch von Carl Teike. Nachdem die Stadtkapelle Bad Waldsee sich bereits am Sonntagmorgen verabschiedete, begeisterten die „Melomanen“ vom Main die Gäste beim Frühschoppenkonzert und Festumzug. In diesen zwei Tagen hatten sich gute kameradschaftliche Bande geknüpft die, was damals wohl keiner glaubte, über Jahrzehnte anhalten würden.
1965 bekam der Musikverein Obernau am Neckar erstmals die Gelegenheit, die neuen Musikfreunde in Obernau am Main zu besuchen. Die beiden Tage am Main waren wunderschön. Allein der damalige Festzug war für die Musiker aus Obernau am Neckar ein riesiges Erlebnis. Wie ein großer Sieger wurden der Musikverein vom Neckartal gefeiert. Haufenweise wurden die Musiker beim Festzug mit Blumen überschüttet.
1967 nahm der Musikverein Obernau unter Dirigent Willi Vohrer am Wertungsspiel in Kiebingen teil. Als Selbstwahlstück führte der Musikverein die Ouvertüre "Das Goldene Schloß" von Hans Grätsch, sowie als Pflichtstück "Interludium in Es" von Rolf Hempel auf. Die Mühe und die Arbeit wurde mit einem ersten Rang in der Mittelstufe belohnt. Mit Marschmusik zog der Musikverein am Abend in Obernau ein und feierte diesen Erfolg gebührend im Gasthaus zur „Schwane“.
1969 übernahm der heutige Ehrendirigent Karl Kienzle von Willi Vohrer den Dirigentenstab. 17 Jahre, bis 1986 sollte Karl Kienzle den Musikverein musikalisch leiten.
1970er & 1980er Jahre
1972 wurde zu einem der Höhepunkte in der bis dahin 50 jährigen Vereinsgeschichte. Obernaus Doppelfest, das Kreismusikfest mit Wertungsspiel sowie das 50 jährige Jubiläum, machte dem kleinen Neckarort alle Ehre. Noch heute erinnert man sich an die schönen Stunden, aber auch an den enormen Kraftakt den der Musikverein unter dem damaligen Vorstand Richard Kienzle mit Bravour bewältigte. Lieblinge des Publikums wurden die Gäste aus Obernau am Main, die zu diesem Fest mit zwei Omnibussen angereist waren.
Nachdem am Freitagabend die Pop-Gruppe "Batmann" die Jugend begeisterte, eröffnete der Musikverein Obernau mit "Festmusik" von Richard Wagner das Festbankett, an dem 1500 Festgäste und Ehrengäste teilnahmen. Nach zahlreichen Ehrungen und Auftritte der Patenkapelle Nellingsheim und der Stadtkapelle Rottenburg, waren die "Melomanen" vom Main nicht mehr zu halten. Die Bayern in Ihren Krachledernen verstanden es ausgezeichnet Stimmung zu machen, wobei ihr musikalisches Können voll überzeugte und begeisterte.
Am Sonntagmorgen fand das bisher einzigste Wertungsspiel in Obernau statt. Als Wertungsrichter fungierten Professor Thelen aus Lindenberg/Allgäu und Musikdirektor Müller-Deck aus Tuttlingen. Insgesamt beteiligten sich 14 Kapellen, darunter 5 Jugendkapellen am Kritikspiel. Als Probelokal wurden für die teilnehmenden Vereine das Schullokal, das Gasthaus zum „Hecht“ und das Gasthaus „Rose“ in Remmingsheim hergerichtet. Der Höhepunkt dieses Wertungsspieles war ohne Zweifel die Kunststufe, in der die Musikvereine Thanheim und Wolfschlugen mit "Tirol 1809" das Publikum begeisterten.
Insgesamt gesehen war dieses Jubiläumsfest eine beachtenswerte Gemeinschaftsleistung aller Obernauer. Gab es doch kaum ein Haus, das nicht an der Vorbereitung und Durchführung dieses Festes beteiligt war. Zusätzlich mussten noch für 90 Personen aus Obernau am Main Quartiere zur Verfügung gestellt werden.
1973 konnte sich der Musikverein, aufgrund des finanziellen Erfolges beim Jubiläumsfest neue Uniformen anschaffen. Trachtenjanker, Trachtenhütte, rote Westen wurden bei der Uniformenfabrik Negele in Auftrag gegeben. Diese Uniformen sollten beim Heimatfest des Gesangvereins zum erstenmal getragen werden. Das Schicksal meinte es jedoch anders. Da in der Zwischenzeit Ortsvorsteher Alfred Fischer gestorben war, wurde diese Uniform ihm zu Ehren auf seinem letzten Gang getragen. In diesem Zusammenhang muss erwähnt werden, dass die Vorgängeruniform am 30. Mai 1963 bei der Amtseinsetzung von Alfred Fischer als Bürgermeister unserer Gemeinde zum erstenmal getragen wurde. Welche Fügung!
Mit der Teilnahme am Jubiläumsfest revanchierte sich der Musikverein Obernau am Neckar 1975 beim 20 jährigen Stiftungsfest des Musikverein Melomania Obernau. Weitere kameradschaftliche Treffen fanden 1978 bei der Sichelhenke in Obernau am Neckar, sowie 1979 bei der Einweihung des Vereinsheim in Obernau am Main statt.
1976 beteiligte sich der Musikverein, neben dem bereits zur Tradition gewordenem Sichelhenkefest und dem Gemeindefest, am zum ersten mal ausgetragenen Rottenburger Neckarfest.
Nachdem in den Fünfzigern und Sechzigern Jahren lediglich Platzkonzerte in Obernau und Umgebung stattfanden, veranstaltete der Musikverein Obernau in den Siebzigern erstmalig Konzertveranstaltungen. 1974 veranstaltete der Musikverein Obernau in Remmingsheim, vor 300 Zuhörern unter seinem Dirigenten Karl Kienzle, sein erstes Hallenkonzert. Inspiriert durch diesen Erfolg konzertierte der Verein 1975 im Schullokal, sowie 1977 und 1978 erneut in Remmingsheim.
Ein weiterer markanter Punkt in der Vereinsgeschichte war 1979. Die Vereinssatzung, die heute noch Gültigkeit besitzt, wurde unter dem damaligen Vorstand Anton Schweinbenz reformiert. Nachdem diese Satzung vom Finanzamt Tübingen und dem Amtsgericht Rottenburg genehmigt war, wurde noch zusätzlich die Eintragung ins Vereinsregister beschlossen. Aus dem Musikverein Obernau wurde der Musikverein Obernau e.V.
Im selben Jahr unterzog sich der Musikverein Obernau unter Karl Kienzle außer Konkurrenz einem Kritikspiel in Wurmlingen. Weitere Platzkonzerte in Rottenburg im „Schänzle“ und in Bad Niedernau im Kurpark gaben dem Musikverein die Möglichkeit, sein Können unter Beweis zu stellen.
In den 1970er‑Jahren erreichte die gesellschaftliche Gleichstellung von Frauen und Männern auch den Musikverein Obernau. 1971 wirkten erstmals vier junge Frauen aktiv im Verein mit, wofür eigens neue Uniformen angeschafft wurden. In den folgenden Jahren traten weitere Musikerinnen bei.
Die damalige Vereinsführung stand vor neuen organisatorischen Herausforderungen, da sich die Zusammensetzung der aktiven Musikerinnen und Musiker häufig veränderte. Dies führte zu Diskussionen und zeitweise auch zu Beschlüssen, die aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäß erscheinen. So wurde 1975 entschieden, zunächst nur Jungen auszubilden. Zitat aus der Ausschusssitzung vom 28.11.1975: "Der Musikverein bildet nur noch Jungen aus."
Bereits wenige Jahre später wurde dieser Beschluss wieder aufgehoben. Ab 1977 konnten Mädchen erneut ausgebildet werden – unter der Voraussetzung, dass sie langfristig im Verein bleiben wollten. 1980 wurde schließlich festgelegt, dass die musikalische Ausbildung wieder allen Jugendlichen offensteht, ohne Einschränkung nach Geschlecht.
Eine Anekdote aus dieser Zeit zeigt, wie sehr sich die Wahrnehmung und das Rollenverständnis seitdem verändert haben: An einem Freitagabend ging eine hochschwangere Musikerin in die Musikprobe, gebar noch in derselben Nacht eine kleine Tochter und dies alles, ohne dass auch nur ein Musiker diese Schwangerschaft bemerkte. Ob die jungen Burschen von damals das weibliche Geschlecht nicht achteten, oder ob die junge Musikerin Ihre Schwangerschaft so gut versteckte , kann heute nicht mehr beurteilt werden.
Autor: Joachim Schweinbenz